Gechrieben am 17 April 2020 in DigitalDetox

Facebook Ausstieg

Foto von Facebook

Bei der Überschrift könnte man denken, dass ich einfach raus bin und mich niemals jemand wieder gesehen hat. Ganz so einfach war es nicht. Ich glaube am Ende dauerte es ganze 2 Jahre.

Der Auslöser

Doch fangen wir von vorne an. Das ganze fing nicht plötzlich an, sondern baute sich so mit den Jahren auf. Ich saß mit meiner Frau zusammen und wir unterhielten uns. Doch viele Themen die ich Anschnitt würgte sie ab mit "Ja weiß ich schon, habe ich auf Facebook gelesen". Das passierte nicht nur einmal sondern immer häufiger. Und das Problem wurde auch immer größer, auch meine Kollegen und Freunde wussten immer schon alles. Nicht nur sie wussten bereits das meiste, mir brauchte auch niemand mehr was erzählen. Das führte dazu dass man sich immer weniger unterhalten hat.

Zu diesem Zeitpunkt kam bereits der Gedanke auf, sich bei Facebook abzumelden. Zumindest für eine Weile. Ich machte daraus eine 30 Tage Challenge. Ich habe zu der Zeit auch Beiträge in einen Blog mit dem Namen "Leben ohne Smartphone" geschrieben. Ich verzichtete nicht komplett auf Facebook, der Gedanke war eher weniger Zeit mit dem Smartphone zu verbringen. Ich löschte die Apps vom Handy und schaute nur noch Abends am PC rein. Das war eigentlich eine ganz gute Erfahrung. Sofern man sich nicht selbst ausgetrickst hat und sich mit dem Browser auf dem Smartphone bei Facebook anmeldet.
Nach den 30 Tagen war ich natürlich wieder voll dabei, irgendwie will man auch nichts erpassen. Man hat sich schon sehr abhängig davon gemacht. Man wusste was Freunde gerade tun, was sie interessiert, welche Veranstaltungen gibt es in der nächsten Zeit und so weiter. Um so mehr hatte man das Gefühl, etwas zu verpassen wenn man nicht dabei ist. Das ging so weit, dass für Geburtstage Veranstaltungen erstellt wurden. Wer zusagt ist dabei. Wer nicht bei Facebook ist , bekommt dann nicht einmal eine Einladung.

Eines Abends in einem Cafe

Diese Geschichte war ein weiterer Punkt, der mich zum nachdenken gebracht hat. Ich war mit einem Freund in der Stadt verabredet. Wir verbrachten den Abend in einem Cafe hier in der Stadt. Ich bemühe mich immer, das Handy bei solchen Treffen möglichst nicht in die Hand zu nehmen. Ausser der Gesprächspartner geht gerade auf die Toilette oder ich gehe dort hin. Dann holt man es natürlich raus und schaut drauf. Man könnte ja in den 3 Stunden was verpassen. Am Nachbartisch saßen 4 Personen und verbrachten einen gemütlichen Abend. Ich beobachte die Gruppe eine Weile und mir viel auf, niemand unterhielt sich dort. Komische Runde dachte ich. Alle 4 hatte ihr Handy in der Hand und ihre Aufmerkskeit richtete sich nur auf diesen Bildschirm. Warum genau waren sie dann hier? Auch wenn dieser Abend schon einige Jahre zurück liegt, habe ich entschieden was dagegen zu tun. Damit ich nicht irgendwann genauso ende.

Die Erkenntnis

Das geht alles zu weit, ich möchte nicht, dass mein Leben auf diese Weise von Facebook abhängig ist. Ich möchte nicht, dass Facebook so viel von mir weiß und wo ich mich gerade aufhalte. Ich möchte kein Smartphone Zombie werden, der nur noch auf so eine leuchtende Fläche schaut um Informationen aufzunehmen die für mich uninteressant sind.

Facebook aufräumen

Der erste Schritt war es weniger Zeit mit Facebook zu verbringen, die Informationen zu verrinngern die jeden Tag mein Gehirn erreichen. Niemand braucht 300 Freunde und 100 Seiten die einem gefallen. Also wurde aufgeräumt

Schritt 1

Seiten nicht mehr folgen
Als erstes habe ich angefangen Seite zu entfernen die ich irgendwann mal geliked habe, die mich aber nicht mehr interessieren oder ich eh nicht mehr angezeigt bekomme.

Schritt 2

Freundesliste bereinigen
Brauche ich wirklich 300 Freunde auf Facebook? Bin ich mit allen in Kontakt? Wenn man ehrlich zu sich selber ist, dann ist die Antwort klar. Kaum jemand hat regelmäßig Kontakt zu 300 Personen. Was interessiert mich was mein alter Klassenkamerad macht, der mit mir das letzte mal vor 20 Jahren gesprochen hat? Also gehe ich durch die Liste und entferne alle die mich nur hinzugefügt haben, ohne mich jemals anzuschreiben. Das wiederhole ich alle paar Wochen / Monate. Am Ende bleiben weniger als 50 über.

Heimlich ausgestiegen

Doch das hat mir alles nicht gereicht. Ich habe mich dazu entschieden ganz auszusteigen. Denn obwohl kaum neue Informationen in meinem Feed zu finden waren, schaue ich doch immer wieder rein. Ich bin von mir selber genervt.
Beim letzten mal habe ich meinen Ausstieg noch angekündigt. Schaut her was ich mache, ich mache eine 30 Tage Challenge. Als wenn das was cooles wäre und alle schlecht sind, die das nicht tun. Dieses mal mache ich es anders, dachte ich mir. Ich steige einfach aus und sage es niemanden. Der Plan steht. Dieses mal mache ich es aber richtig und entferne zuvor alle Freunde. Lade mir meine Daten runter die Facebook von mir gespeichert hat und lösche den Account. Facebook löscht ihn natürlich nicht sofort. Ich habe viele Tage Zeit um mich wieder anzumelden. Irgendwas zwischen 2 und 4 Wochen.
Ich glaube das viele in der Zeit tatsächlich zurückkehren, ähnlich wie bei einem Drogenabhängigen. Es fehlt was im Leben, ohne das geht es anscheinend nicht. Ich bin aber fest entschlossen es zu schaffen. Der Account ist gelöscht.

Die ersten Tage danach

Die ersten Tage danach kann man mit einem Entzug vergleichen. Nicht das ich schon mal einen gemacht hätte, aber so stelle ich es mir vor. Es fehlte was. Ständig nahm ich mein Handy in die Hand und schaute auf das Display. Um dann festzustellen das keine Facebook App mehr da ist. Eigentlich wußte ich gar nicht was ich mit dem Ding noch machen sollte. Hier und da habe ich mal einen Blog gelesen oder war auf einer Nachrichten Seite. Gruselig wenn man bemerkt das man so stark von einer App abhängig war.

Reaktionen auf meinen Ausstieg

Ich hatte mich auf Fragen eingestellt, wenn Kollegen oder Freunde zu mir kommen und mich fragen ob ich gar nicht mehr da bin. Warum ich das gemacht habe usw. Aber die Reaktionen die ich dann bekommen habe, damit habe ich nicht gerechnet. Es gab keine. Ernsthaft. Wirklich niemand hat bemerkt dass ich weg war. Ich dachte ich hätte Freunde auf Facebook, aber dass es niemandem auffällt, hätte ich nicht erwartet. Das ist gut und schlecht zugleich. Gut, dass ich mich nicht rechtfertigen musste. Schlecht, weil es echt deprimierend war. Zugleich aber die Bestätigung für mich, dass ich das richtige tue. Hier gehen Gefühl und Realität ganz weit auseinander. Es fühlt sich an wie eine Gemeinschaft. Du hast in dieser Gemeinschaft eine Position. Du musst Present sein um alles mitzubekommen. Die Realität ist allerdings, dass du absolut egal bist und niemandem fällt auf wenn du weg bist. Und wenn es auffällt dann ist es nach 2 Wochen auch egal. Du bist weg und niemanden wird es noch kümmern.

Monate nach dem Ausstieg

Ich bin sehr froh das ich diesen Schritt gegangen bin. Ich vermisse es kein Stück und ich hatte auch keine Nachteile dadurch. Alle wichtigen Personen halten über WhatsApp Kontakt zu mir. Von Veranstaltungen erfahre ich auch so. Ich habe mehr Zeit um andere Dinge anzugehen. Wie zum Beispiel diesen Blog :). Das Leben ist zu kurz um es auf Facebook zu verschwenden.

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